Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) Ostercappeln

Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) Ostercappeln; Erbbaurechtsvertrag für die benötigten Flächen

Im März diesen Jahres haben wir uns mit der Neugestaltung des ÖPNV im Wittlager Land beschäftigt. Mit dem damaligen Konzept lagen uns nur unvollständige Unterlagen vor. Im Vorfeld haben uns einige Mitarbeiter der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (PLANOS) über diese Neuerungen im ÖPNV in einer Arbeitswerkstatt Informationen geben wollen. Dieses war jedoch bei weitem nicht zufriedenstellend, dennoch haben wir dieser Vorlage zugestimmt.

Nachdem die Neukonzeption des ÖPNV am 09.08.2018 in Kraft getreten ist, erkennen wir, dass die Buslinien zum größten Teil über den Verknüpfungspunkt Herringhausen/Leckermühle verlaufen. Die möglichen Anschlüsse auf die einzelnen Linien sind dabei gesichert. Hierdurch wird schon deutlich, dass ein weiterer Umsteige- / Verknüpfungspunkt (ZOB) nicht erforderlich ist. Erfolgversprechend wäre in diesem Zusammenhang, wenn der Bedarfsverkehr von Ostercappeln über Nordhausen und Hitzhausen nach Bad Essen und zurück, bis zu diesem Verknüpfungspunkt Herringhausen/Leckermühle verlängert würde. Dadurch könnten die Fahrgäste in Richtung Bohmte umsteigen und für die Gegenrichtung stünde der Bus für die Fahrgäste aus Bohmte bereit.

Der von der Verwaltung vorgeschlagene ZOB soll südlich des Krankenhauses auf der jetzigen Streuobstwiese (eine der letzten dieser Art in Ostercappeln) installiert werden. Neben dem ZOB in Herringhausen/Leckermühle und an der Grundschule in Ostercappeln – gleiche Infrastruktur wie evtl. am ZOB Krankenhaus – hat Ostercappeln dann mit ca. 10.000 Einwohner auf einer Strecke von ca. 1,5 km drei ZOB. Als die Entscheidung für den Verknüpfungspunkt Herringhausen/Leckermühle getroffen wurde, stand auch ein möglicher Verknüpfungspunkt Ostercappeln/Krankenhaus an. Der letztere ist jedoch nicht gebaut worden, weil der Verknüpfungspunkt Herringhausen/Leckermühle die meisten Vorteile (z.B. Bundesstraßenkreuz und Eisenbahn) hatte.

Nach den uns mitgeteilten vorläufigen Kosten für die Erstellung dieser Verkehrsanlage werden sich diese – mit einer einkalkulierten Erhöhung – nach eigener Schätzung nicht unter einer Million Euro belaufen. Wir halten diesen Betrag für diese Anlage für nicht angemessen. Außerdem haben wir einen funktionierenden Verknüpfungspunkt in Herringhausen/Leckermühle, den es gilt weiter auszubauen. Auf dem ZOB Ostercappeln/Krankenhaus – wenn er gebaut wird – werden zukünftig lediglich die Fahrgäste aus und in Richtung Nordhausen und Hitzhausen umsteigen. Die Fahrgäste aus Richtung Schwagstorf und Venne werden weiterhin in Herringhausen/Leckermühle umsteigen, da sie dort noch eine Auswahl an Sitzplätzen im Bus erreichen.

In dem von der PLANOS vorgestelltem Linienplan soll nach Fertigstellung des ZOB die Linie von Schwagstorf und Venne zunächst nach Ostercappeln und erst dann nach Bohmte geführt werden. Danach geht es dann zurück nach Ostercappeln, um dann wieder nach Schwagstorf und Venne zu gelangen. Diese Linienführung dauert vom Ausgangspunkt bis zum endgültigen Zielpunkt – nach jetzigem Fahrplan berechnet – genau 68 Minuten. Bei der zurzeit gültigen Linienführung dauert dieser Weg keine 60 Minuten, so dass hier nur ein Fahrzeug gebraucht wird. Mit dem neuen Fahrplan wird dann ein weiterer Bus notwendig, wobei beide Busse in einer Betriebszeit von 120 Minuten dann jeweils 52 Minuten pausieren. Zusätzlich entstehen zwischen den Verknüpfungspunkten Herringhausen/Leckermühle und Ostercappeln/Krankenhaus zeitgleiche Parallelfahrten. Dieses ist kein wirtschaftlicher Einsatz der Mittel.

Die Wirtschaftlichkeit eines zusätzlich eingesetzten Fahrzeugs kann z.B. dadurch erhöht werden, indem dieses auf der oben genannten Linie oder auf der Linie zwischen Bad Essen und Osnabrück zur Taktverdichtung (30-Minuten-Takt) einsetzt wird. Hierdurch bekämen wir schon die Möglichkeit stündlich in Herringhausen/Leckermühle in alle Richtungen zu fahren. Weiterhin sollten alle Linien schrittweise den 30-Minuten-Takt bekommen. Außerdem sollten schon jetzt die Linien zwischen Bramsche – Venne – Bohmte zu einer gemeinsamen Linie verschmolzen werden. Hierbei bekommen wir eine lückenlose Verbindung zwischen den Bahnhöfen Bramsche und Bohmte über den Verknüpfungspunkt Herringhausen/Leckermühle. Auch die Linie zwischen Bad Essen und Osnabrück sollte bis Bad Holzhausen weitergeführt werden, um die Verknüpfung mit der Bahn zu erreichen. Hierdurch entstünde mit einem 30-Minuten-Takt ein lückenloses ÖPNV-Netz, welches immer mit einer weiteren Linie im ÖPNV/SPNV verknüpft ist. Diese Attraktivitätssteigerung könnte viele Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen, auf ein Fahrzeug des motorisierten Individualverkehrs zu verzichten.

Es gibt – auch in unserer Gemeinde – viele Bevölkerungsgruppen, die für ihre Mobilitätsansprüche auf einen sehr guten ausgebauten ÖPNV angewiesen sind. Außerdem sind unsere heimischen Betriebe – nicht nur die St. Raphael-Klinik – auf ein über die Gemeindegrenzen hinweg und zu den nächsten Verknüpfungspunkten hin organisiertes Netz für ihre Mitarbeiter angewiesen, damit sie dem Fachkräftemangel auf diese Weise entgegnen können.

Auf die Frage an die Verwaltung, welche Verknüpfungen auf dem ZOB in Ostercappeln/Krankenhaus zukünftig entstehen werden, konnte diese bislang keine hinreichende Antwort geben. Im Ortsrat ist immer auf die strategische Bedeutung im Zusammenhang eines in der Zukunft möglichen Schnellbusverkehrs hingewiesen worden. Für dessen Halt in Ostercappeln sei hierfür unbedingt ein ZOB notwendig, so die Verwaltung weiter.

Wenn es einen Schnellbusverkehr in der Region Wittlage geben soll, muss dieser im Vorfeld von den Gemeinden bestellt werden, da diese hierfür die Finanzierung übernehmen sollen. Warum dieser Schnellbus nicht an einer „normalen Haltestelle“ zum Ein- und Aussteigen halten kann, erschließt sich uns nicht. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob wir überhaupt einen Schnellbusverkehr zusätzlich zu dem vorhandenen ÖPNV installieren wollen? Für einen solchen Verkehr benötigt man vsl. für einen Fahrzeugumlauf von drei Bussen mit Fahrpersonal, einen Gesamtbetrag von 450.000 € im Jahr.

Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob wir diese zusätzlichen Kosten dauerhaft wiederkehrend mit den anderen Gemeinden (Bad Essen und Bohmte) gemeinsam übernehmen wollen, oder ob es hier für die Gemeinden eine preisgünstigere Alternative gibt. Mit dem Verknüpfungspunkt Herringhausen/Leckermühle haben wir, bei entsprechenden Fahrgastzahlen die Möglichkeit, auch eine Verknüpfung mit der Schiene herzustellen. Für die Zugfahrten entstehen den Städten und Gemeinden keine laufenden Kosten, es ist lediglich ein einmaliger Teilbetrag zur Errichtung der entsprechenden Infrastruktur (Bahnsteige) zu entrichten.

Die SPD-Fraktion Ostercappeln fordert zudem einen barrierefreien Zugang zwischen der Haltestelle Ostercappeln/Krankenhaus und dieser Klinik. Dieses war bislang aufgrund der finanziellen Situation unserer Gemeinde nicht möglich.

Für eine Entscheidungsfindung im Gemeinderat ist es erforderlich, dass jedes Ratsmitglied über die Sachlage vollumfänglich informiert wird. Bislang liegen uns keine detaillierten und belastbaren Zahlen und Fakten für die Erstellung und Einrichtung eines ZOB vor. Insbesondere fehlt uns zu diesem Thema die Machbarkeitsstudie der PLANOS, die u.a. auch die Fahrgastzahlen für die notwendige Umsetzung beinhaltet. Weiterhin ist diese Machbarkeitsstudie ein Bestandteil des Antrages an die Genehmigungsbehörde (LNVG), damit ein solches Vorhaben evtl. finanziell gefördert werden könnte.

Warum uns diese Studie vorenthalten wird, erschließt sich uns nicht. Bevor Grundstücke erworben werden, oder andere Vorarbeiten geleistet werden, müssen solche grundsätzlichen Unterlagen jedem Ratsmitglied zur Entscheidungsfindung vorliegen.

Weiterhin erschließt sich uns nicht die heutige Vorlage zu dem Erbbaurechtsvertrag für die benötigten Grundstücke, weil der Bürgermeister den Ratsmitgliedern in der Arbeitswerkstatt am 02/03.11.2018 noch wichtige Informationen zu dem ZOB am Krankenhaus geben möchte. Wir sollten diesen Termin zunächst abwarten und dann evtl. eine Entscheidung treffen. Ich bitte die Verwaltung, diese Vorlage zurückzuziehen.

Die SPD-Fraktion wird der Vorlage nicht zustimmen.

Johannes Klecker Ostercappeln, den 25.09.2018